# Deutsch: Gedichte_Interpretieren

Fach: Deutsch
Jahrgang: 11
Thema: Gedichte_Interpretieren

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Hier ist ein kompetenzorientiertes Arbeitsblatt für den Deutschunterricht der Jahrgangsstufe 11 (Gymnasiale Oberstufe/Gesamtschule), basierend auf den Vorgaben für Sachsen-Anhalt.

Es kombiniert die **Analyse der Natursymbolik** mit der **Figurencharakterisierung** (Faust vs. Wagner), um das Niveau für die Oberstufe sicherzustellen.

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**Fach:** Deutsch
**Klasse:** 11 (Erweitertes Niveau)
**Thema:** J.W. von Goethe: *Faust I* – Interpretation "Vor dem Tor" (Osterspaziergang)
**Name:** _________________ **Datum:** _________

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# Arbeitsblatt: Vom Eise befreit? – Innenwelt und Außenwelt

## Einleitung
Die Szene „Vor dem Tor“ (V. 903–1177), bekannt als der „Osterspaziergang“, markiert einen Wendepunkt nach der düsteren „Nacht“-Szene. Faust verlässt sein Studierzimmer und tritt mit seinem Famulus Wagner unter das Volk. Dieses Arbeitsblatt untersucht, wie die Naturbeschreibung als Spiegel für Fausts Seelenzustand dient und wie sich die gegensätzlichen Weltbilder der beiden Gelehrten manifestieren.

**Benötigtes Material:** Textausgabe J.W. von Goethe: *Faust. Der Tragödie erster Teil*.

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## Aufgabe 1 (AFB I)
**Beschreiben** Sie den inhaltlichen und atmosphärischen Aufbau der Szene „Vor dem Tor“ (V. 903–1177).
*Hinweis: Gliedern Sie den Text in drei sinnvolle Abschnitte (Naturraum, Sozialer Raum, Dialog der Gelehrten) und fassen Sie das Geschehen kurz zusammen.*

1.  **V. 903 – ______ :** __________________________________________________________
2.  **V. ______ – ______ :** __________________________________________________________
3.  **V. ______ – ______ :** __________________________________________________________

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## Aufgabe 2 (AFB II)
**Analysieren** Sie den Monolog Fausts (V. 903–940) im Hinblick auf die sprachliche Gestaltung des Frühlingserwachens.
Untersuchen Sie dabei insbesondere:
*   Die Verwendung von **Personifikationen** und **Verben der Bewegung** (z. B. *befreit, dringt, regt, will*).
*   Das Verhältnis von Natur und Mensch (Wie reagieren die Menschen auf den Frühling?).

_Raum für Notizen:_
*   *Metaphorik des Eises/Winters:* _________________________________________________
*   *Belebung der Natur:* __________________________________________________________
*   *Verbindung zur Auferstehung (Ostern):* __________________________________________

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## Aufgabe 3 (AFB II)
**Vergleichen** Sie die Wahrnehmung der Welt durch Faust und Wagner anhand des Dialogs am Ende des Spaziergangs (ca. ab V. 1064).
Nutzen Sie die Tabelle, um die gegensätzlichen Haltungen herauszuarbeiten.

| Aspekt | Faust (Der sinnliche Idealist) | Wagner (Der rationale Buchgelehrte) |
| :--- | :--- | :--- |
| **Bezug zum "Volk"** | *Z.B.: Sucht die Nähe, fühlt sich zugehörig ("Hier bin ich Mensch...")* | |
| **Bezug zur Natur** | | *Z.B.: Empfindet sie als ungemütlich/roh ("...behagen mir nicht")* |
| **Erkenntnisinteresse** | | |

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## Aufgabe 4 (AFB III)
Der Osterspaziergang wird oft als harmonisches Idyll gelesen.
**Erörtern** Sie ausgehend von Ihrer Analyse und Ihrem Wissen um die vorangegangene „Nacht“-Szene, ob Faust hier tatsächlich seinen inneren Frieden findet oder ob es sich nur um eine trügerische Momentaufnahme handelt.
*Beziehen Sie in Ihre Argumentation den berühmten Ausspruch „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“ (V. 1112) mit ein.*

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## Hilfekasten
> **Tipp zur Analyse (Aufgabe 2):**
> Achten Sie darauf, dass die Naturbeschreibung nicht nur das Wetter meint. Das „Eis“ steht metaphorisch auch für Fausts Starre und Depression in der Nacht-Szene. Die „Auferstehung“ der Natur ist ein Symbol für seine eigene (kurzzeitige) Vitalisierung.
>
> **Wichtige Begriffe für Aufgabe 3:**
> *   **Pantheismus:** Gott/Göttliches in der Natur sehen (Faust).
> *   **Philistertum:** Engstirniges, nur auf Nützlichkeit und Konvention bedachtes Denken (Wagner).

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## Zusatzaufgabe (Für Schnelle)
**Gestalten** Sie einen kurzen inneren Monolog Wagners (ca. 4-5 Sätze), während er neben Faust herläuft und das tanzende, laute Volk beobachtet. Versuchen Sie, seine intellektuelle Arroganz und seine soziale Unsicherheit sprachlich einzufangen.

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