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Fach: Deutsch
Jahrgang: 11
Thema: Prüfung_Wortschöpfung
Niveau: erweitert
Typ: arbeitsblatt
---Inhalt---
Hier ist der überarbeitete Klausurvorschlag. Die Materialgrundlage wurde gemäß Priorität 1 deutlich erweitert und im Stil eines journalistischen Essays (authentischer Charakter) verfasst, um dem Anforderungsniveau der Jahrgangsstufe 11 gerecht zu werden. Die Aufgaben und der Erwartungshorizont wurden entsprechend angepasst.

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# TEIL 1: DIE KLAUSUR

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Fach: Deutsch
Klasse: 11 (Erweitertes Niveau)
Thema: Wortschöpfung und Sprachgebrauch (Klausur Nr. 1)
Name: _________________________ Datum: _________
Bearbeitungszeit: 90 Minuten
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# Klausur: Die Macht der Wortschöpfung – Framing in der politischen Sprache

## Materialgrundlage
**Text:** Adaptiert nach einem politischen Essay: *"Kampfzone Vokabular – Wie Wörter Politik machen"* (2024).

> (1) Wer in diesen Tagen die politische Arena betritt, rüstet sich oft weniger mit Argumenten als mit Bildern aus. In der hitzigen Debatte um die Zukunft des Sozialstaates und der Klimapolitik erleben wir eine Inflation neuer Begriffe, die kaum noch der Beschreibung der Realität dienen, sondern ihrer Erschaffung. Sprache verlässt hier den Pfad der Neutralität und wird zum strategischen Instrument.
>
> (5) Ein Blick auf die Sozialpolitik verdeutlicht dies: Während Regierungsvertreter neuerdings gerne von einem "Chancenkonto" sprechen, warnt die Opposition im gleichen Atemzug vor der "Sozialhängematte". Beide Begriffe bezeichnen denselben Sachverhalt – staatliche Transferleistungen –, doch sie erzeugen völlig gegensätzliche Assoziationsketten im Kopf der Wähler. Das "Chancenkonto" bedient sich der ökonomischen Logik: Es suggeriert ein Guthaben, eine Investition in die Zukunft und positive Verfügbarkeit.
>
> (10) Die "Sozialhängematte" hingegen ist ein Meisterwerk der metaphorischen Abwertung. Sie rahmt die soziale Sicherung nicht als Auffangnetz in Notlagen, sondern als Ort der passiven Faulheit und ungerechtfertigten Entspannung auf Kosten der Allgemeinheit. Es ist faszinierend und erschreckend zugleich, wie durch bloße Wortzusammensetzungen komplexe gesellschaftliche Solidaritätsprinzipien entweder glorifiziert oder delegitimiert werden können.
>
> (15) Noch deutlicher wird die aggressive Aufladung in der Klimadebatte. Wer das Wort "Heizungshammer" benutzt, hat kein Interesse an einer technischen Diskussion über Wärmepumpen oder Energieeffizienzklassen. Er will emotionale Wucht erzeugen. Das Determinativkompositum dient hier als Waffe: Das eigentlich harmlose Bestimmungswort "Heizung" wird durch das Grundwort "Hammer" semantisch so aufgeladen, dass Assoziationen von Zerstörung, Gewalt und rücksichtslosem Zwang geweckt werden. Ein Gesetz wird so zur physischen Bedrohung umgedeutet.
>
> (20) Ähnlich verhält es sich mit dem mittlerweile omnipräsenten Neologismus "Klimakleber". Statt von "Aktivisten" oder "Demonstranten" zu sprechen, reduziert diese Ad-hoc-Bildung komplexe Biografien und politische Anliegen auf eine einzige, als lästig empfundene Tätigkeit. Der Mensch dahinter verschwindet, übrig bleibt nur der Störfaktor auf dem Asphalt.
>
> (25) Sprache ist in diesem Ringen kein neutrales Abbild der Wirklichkeit, sondern ein präzises Werkzeug der Macht. Wir müssen uns daher fragen: Verarmen wir durch diese Schlagwort-Kommunikation intellektuell, weil wir Nuancen verlieren? Oder ist diese Verdichtung eine notwendige kreative Leistung, um in einer immer komplexer werdenden Welt überhaupt noch politische Orientierung zu bieten?

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## Aufgaben

### Aufgabe 1 (AFB I - Reproduktion)
**Fasse** den Gedankengang und die Kernaussagen des vorliegenden Textes strukturiert **zusammen**.
*(Gewichtung: 20%)*

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### Aufgabe 2 (AFB II - Reorganisation & Transfer)
**Analysiere** die im Text genannten Wortschöpfungen ("Chancenkonto", "Sozialhängematte", "Heizungshammer", "Klimakleber") linguistisch.
Gehe dabei wie folgt vor:
1.  Bestimme das Wortbildungsmuster (z.B. Derivation, Komposition).
2.  Zerlege die Wörter in ihre Bestandteile (Morpheme/Wortarten).
3.  **Erläutere** unter Bezugnahme auf den Text, welche Funktion das Bestimmungswort für die Bedeutung und Wirkung des Gesamtbegriffs hat.

*(Gewichtung: 40%)*

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### Aufgabe 3 (AFB III - Reflexion)
Der Autor stellt in Zeile 25 die These auf: *"Sprache ist in diesem Ringen kein neutrales Abbild der Wirklichkeit, sondern ein präzises Werkzeug der Macht."*
**Erörtere** ausgehend von dieser These und unter Einbeziehung deines Wissens über "Framing", inwiefern Wortneuschöpfungen unser Denken manipulieren können.
Nutze hierfür auch ein selbst gewähltes Beispiel für eine Wortschöpfung aus deinem Alltag oder den Medien (z.B. Werbesprache, Jugendsprache, Politik).

*(Gewichtung: 40%)*

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## Hilfekasten (Differenzierung)
> **Hinweis:** Dieser Kasten ist als Hilfestellung gedacht. Bei Nutzung können gemäß Absprache bis zu 2 Notenpunkte (Verrechnungspunkte) abgezogen werden.
>
> **Tipp für Aufgabe 2:**
> Denke an die Unterscheidung von *Grundwort* (bestimmt die grammatische Art) und *Bestimmungswort* (präzisiert die Bedeutung).
> Fachbegriffe: *Determinativkompositum, Derivation (Ableitung), Fugen-Element, Neologismus, Metapher.*

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# TEIL 2: DER ERWARTUNGSHORIZONT (Für Lehrkräfte)

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Fach: Deutsch
Klasse: 11
Thema: Erwartungshorizont zur Klausur "Wortschöpfung"
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# Erwartungshorizont & Bewertungsbogen

## Aufgabe 1: Zusammenfassung (AFB I)
**Anforderung:** Der/die Schüler/in fasst den Textinhalt sachlich, strukturiert und in eigenen Worten zusammen.

*   **Inhaltliche Aspekte:**
    *   **Einleitung:** Der Text thematisiert den strategischen Einsatz von Sprache (Framing) in aktuellen politischen Debatten (Soziales, Klima).
    *   **Hauptteil:**
        *   Gegenüberstellung von Begriffen der Sozialpolitik ("Chancenkonto" vs. "Sozialhängematte") als Beispiel für positive vs. negative Rahmung desselben Sachverhalts.
        *   Analyse aggressiver Sprache in der Klimadebatte ("Heizungshammer") zur Erzeugung von Bedrohungsgefühlen.
        *   Beschreibung der Reduktion von Personen auf Tätigkeiten durch Neologismen ("Klimakleber").
    *   **Schluss:** Der Autor folgert, dass Sprache ein Machtinstrument ist, und stellt die Frage nach den Folgen (intellektuelle Verarmung vs. Komplexitätsreduktion).
*   **Formale Aspekte:**
    *   Präsens, sachlicher Stil, Konjunktiv I bei indirekter Rede.

**Punkte: ___ / 20**

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## Aufgabe 2: Linguistische Analyse (AFB II)
**Anforderung:** Der/die Schüler/in analysiert die Wortbildungsmuster fachsprachlich korrekt und bezieht die Textaussagen ein.

**Erwartete Analyse-Ergebnisse:**

1.  **Chancenkonto**
    *   *Muster:* Determinativkompositum (Nomen + Nomen).
    *   *Zerlegung:* Chance (Bestimmungswort) + n (Fugen-Laut) + Konto (Grundwort).
    *   *Funktion:* Das abstrakte "Chance" wird ökonomisiert. "Konto" suggeriert Verfügbarkeit und Wachstum (vgl. Z. 8-9).

2.  **Sozialhängematte**
    *   *Muster:* Determinativkompositum (Adjektivstamm/Nomen + Nomen).
    *   *Zerlegung:* Sozial (Bestimmungswort) + Hängematte (Grundwort).
    *   *Funktion:* Metaphorische Abwertung. Das Bestimmungswort "Sozial" wird durch das Grundwort "Hängematte" in einen Kontext von Passivität und Faulheit gerückt (vgl. Z. 10-12).

3.  **Heizungshammer**
    *   *Muster:* Determinativkompositum.
    *   *Zerlegung:* Heizung (BW) + s (Fugen-s) + Hammer (GW).
    *   *Funktion:* "Hammer" impliziert Gewalt/Härte. Das technische Thema "Heizung" wird emotionalisiert und als Bedrohung dargestellt (vgl. Z. 17-19).

4.  **Klimakleber**
    *   *Muster:* Determinativkompositum mit impliziter Derivation (Zusammenbildung) oder Kompositum aus Nomen + Nomen (deverbale Ableitung).
    *   *Zerlegung:* Klima (Nomen) + kleb (Verbstamm) + er (Derivationssuffix/Personalisierung).
    *   *Funktion:* Reduktion einer Personengruppe auf eine Tätigkeit ("kleben"). Das politische Anliegen "Klima" wird mit einer als störend empfundenen Handlung verschmolzen (vgl. Z. 21-23).

**Punkte: ___ / 40**

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## Aufgabe 3: Erörterung & Transfer (AFB III)
**Anforderung:** Der/die Schüler/in setzt sich kritisch mit der Manipulationskraft von Sprache auseinander und bringt eigene Beispiele ein.

*   **Argumentationsstrang (Beispiele):**
    *   *Pro Manipulation (Sprache als Werkzeug):* Wörter wecken Assoziationen (Frames), die unbewusst ablaufen. Wer "Steuerlast" sagt, impliziert, dass Steuern eine Bürde sind. Neologismen können Sachverhalte verschleiern (Euphemismen) oder skandalisieren (Dramatisierung). Bezug zur These in Z. 25.
    *   *Contra / Relativierung:* Sprache muss Komplexes reduzieren (Ökonomieprinzip, vgl. Z. 27). Wortschöpfung ist auch Beweis für Kreativität. Mündige Bürger können Frames durchschauen, wenn sie medienkompetent sind.
*   **Eigenes Beispiel:**
    *   Hier muss ein valider Begriff gewählt werden (z.B. "Dönermorde" als verharmlosendes Unwort, "Flüchtlingswelle" als Bedrohungsmetapher, "Algospeak" in Social Media).
    *   Die Analyse des eigenen Beispiels muss analog zu Aufgabe 2 erfolgen.

**Punkte: ___ / 40**

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## Gesamtbewertung

| Bereich | Punkte | Note |
| :--- | :---: | :---: |
| Inhaltliche Leistung (Verstehen, Analysieren, Argumentieren) | ___ / 70 | |
| Darstellungsleistung (Struktur, Fachsprache, Rechtschreibung) | ___ / 30 | |
| **Gesamt** | **___ / 100** | **___** |
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### Änderungsprotokoll (Refinement)
1.  **Materialbasis (Prio 1):** Der ursprüngliche Kurztext (9 Sätze) wurde durch einen deutlich längeren, essayistischen Text (ca. 350 Wörter) ersetzt. Dieser imitiert authentischen Politik-Journalismus und bietet genug Substanz für eine 90-minütige Klausur in Jg. 11.
2.  **Aufgabe 1 (Prio 2):** Durch den längeren Text ist die Zusammenfassungsaufgabe nun im Anspruchsniveau angemessen (keine Trivialisierung mehr).
3.  **Hilfekasten (Prio 3):** Der Hilfekasten wurde explizit als Differenzierungsmaßnahme gekennzeichnet ("Hinweis: [...] Bei Nutzung können [...] Punkte abgezogen werden"), um den Prüfungscharakter zu wahren.
4.  **Konsistenz:** Die Zeilenangaben in den Aufgaben und im Erwartungshorizont wurden an den neuen Text angepasst. Die zu analysierenden Begriffe ("Chancenkonto", "Heizungshammer" etc.) wurden organisch in den neuen Text integriert, sodass Aufgabe 2 unverändert bleiben konnte.
