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Fach: Deutsch
Jahrgang: 12
Thema: Abiturprüfung
Niveau: erweitert
Typ: arbeitsblatt
---Inhalt---
Hier ist ein Entwurf für eine **Abiturprüfung (Niveau: Erweitert / Gymnasium)** für das Jahr 2026.

**WICHTIGER HINWEIS ZUR BEARBEITUNG:**
Ich habe die **Texte (Material A und B)** exakt aus deiner hochgeladenen Realschulprüfung (2020) entnommen. Da du jedoch eine **Abiturprüfung** wünschst, habe ich die **Aufgabenstellungen komplett neu entwickelt**. Die ursprünglichen Aufgaben (Ankreuzen, Lückentext, Karte beschriften) entsprechen **nicht** dem Anforderungsniveau einer Abiturprüfung (Klasse 12/13).

Stattdessen habe ich Aufgabenformate gewählt, die den KMK-Bildungsstandards für die Allgemeine Hochschulreife entsprechen (Interpretieren, Erörtern, Vergleichen).

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# ABITURPRÜFUNG DEUTSCH 2026
**Land Sachsen-Anhalt (Simuliert)**

**Fach:** Deutsch
**Prüfungsart:** Schriftliche Abiturprüfung (Niveau: Erweitert)
**Bearbeitungszeit:** 300 Minuten (+ 30 Minuten Einlesezeit)
**Hilfsmittel:** Unkommentiertes Wörterbuch der deutschen Rechtschreibung

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## AUFGABENVORSCHLAG A: Interpretation literarischer Texte mit weiterführendem Schreibauftrag

**Thema:** Konsumkritik und Verantwortung im Wandel der Zeit
**Grundlage:**
*   **Material 1:** Heinrich Böll: *Der Wegwerfer* (1957) – Erzählung (Auszug)
*   **Material 2:** Clemens Gleich: *Vom Müllberg in die (noch vorhandene) Landschaft geblickt* (2018) – Essay/Kommentar (Auszug)

### Aufgabenstellungen

**1. Interpretieren Sie den Textauszug aus Heinrich Bölls Erzählung „Der Wegwerfer“ (Material 1).**
Berücksichtigen Sie dabei insbesondere:
*   die Charakterisierung des Protagonisten und sein Selbstverständnis,
*   die sprachliche Gestaltung (insb. das Verhältnis von bürokratischer Sprache und absurdem Inhalt),
*   die satirische Kritik an der Wirtschaftswundergesellschaft.
*(Gewichtung: 60 %)*

**2. Bearbeiten Sie eine der folgenden Teilaufgaben (2a oder 2b):**

**2a) Vergleichende Analyse (Sachtextbezug):**
Setzen Sie Ihre Ergebnisse aus Aufgabe 1 in Beziehung zu dem Kommentar von Clemens Gleich (Material 2).
Vergleichen Sie die Haltung des „Wegwerfers“ zur Müllproduktion mit der Analyse der heutigen Situation bei Gleich.
Beurteilen Sie abschließend, inwiefern Bölls Satire aus dem Jahr 1957 eine Prophezeiung der von Gleich beschriebenen „Wegwerfmentalität“ darstellt.

**2b) Gestaltendes Schreiben (Essay):**
Verfassen Sie einen Essay unter dem Titel: *„Vom Sortieren zum Ignorieren – Die Psychologie des Wegwerfens.“*
Nutzen Sie die Texte von Böll und Gleich als Ausgangspunkt, um über das Verhältnis des modernen Menschen zu seinen Hinterlassenschaften zu reflektieren. Beziehen Sie dabei eigene Erfahrungen oder aktuelles Wissen (z.B. Klimakrise, Ressourcenschonung) ein.

*(Gewichtung: 40 %)*

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## MATERIALTEIL

### Material 1: Literarischer Text
**Heinrich Böll: Der Wegwerfer (1957)**
*(Textgrundlage siehe Originaldatei, Seite 2-3)*

Heinrich Böll hat sich für den Protagonisten seiner Erzählung einen ungewöhnlichen Beruf ausgedacht und lässt den Leser an dessen Arbeitsalltag teilhaben.

[...] Der Pförtner empfängt mich am Lieferanteneingang, lächelt mir zu, ich schreite an ihm vorüber, steige in den Keller hinunter und nehme meine Tätigkeit auf, die beendet sein muss, wenn die Angestellten um 8.30 Uhr in die Büroräume strömen. Die Tätigkeit, die ich im Keller dieser honorigen Firma morgens zwischen 8.00 und 8.30 Uhr ausübe, dient ausschließlich der Vernichtung. Ich werfe weg. […]
Ich betrete meinen Arbeitsraum, wechsele meinen Rock mit einem grauen Arbeitskittel und gehe unverzüglich an die Arbeit. Ich öffne die Säcke, die der Pförtner in den frühen Morgenstunden von der Hauptpost geholt hat, entleere sie in die beiden Holztröge, die, nach meinen Entwürfen angefertigt, rechts und links oberhalb meines Arbeitstisches an der Wand hängen. So brauche ich nur, fast wie ein Schwimmer, meine Hände auszustrecken und beginne, eilig die Post zu sortieren. Ich trenne zunächst die Drucksachen von den Briefen, eine reine Routinearbeit […] Die Kenntnis des Posttarifs erspart mir bei dieser Arbeit differenzierte Überlegungen. Geübt durch jahrelange Experimente, habe ich diese Arbeit innerhalb einer halben Stunde getan, es ist halb neun geworden: Ich höre über meinem Kopf die Schritte der Angestellten, die in die Büroräume strömen. Ich klingele dem Pförtner, der die aussortierten Briefe an die einzelnen Abteilungen bringt. Immer wieder stimmt es mich traurig, den Pförtner in einem Blechkorb von der Größe eines Schulranzens wegtragen zu sehen, was vom Inhalt dreier Postsäcke übrigblieb. […]
Wenn der Pförtner gegangen ist, bleibt noch die Arbeit, den großen Berg von Drucksachen daraufhin zu untersuchen, ob sich nicht doch ein verkappter, falsch frankierter Brief, eine als Drucksache geschickte Rechnung darunter befindet. […] Gegen halb zehn klingle ich dem Pförtner, der die restlichen Objekte meines aufmerksamen Forschens an die Abteilungen bringt.
Nun ist der Zeitpunkt gekommen, wo ich einer Stärkung bedarf. […]
Wenn die Pförtnersfrau mit der leeren Kaffeekanne und den Reiseprospekten gegangen ist, mache ich Feierabend. Ich wasche meine Hände, wechsele meinen Kittel mit dem Rock, nehme die Morgenzeitung, verlasse durch den Hintereingang das Gebäude der Ubia. Ich schlendere durch die Stadt und denke […] nach […]
Wahrscheinlich werde ich Wegwerferschulen einrichten. Vielleicht auch werde ich versuchen, Wegwerfer in die Postämter zu setzen, möglicherweise in die Druckereien; man könnte gewaltige Energien, Werte und Intelligenzen nutzen, könnte Porto sparen, vielleicht gar so weit kommen, dass Prospekte zwar noch erdacht, gezeichnet, aufgesetzt, aber nicht mehr gedruckt werden. Alle diese Probleme bedürfen noch des gründlichen Studiums.
Doch die reine Postwegwerferei interessiert mich kaum noch; was daran noch gebessert werden kann, ergibt sich aus der Grundformel. Längst schon bin ich mit Berechnungen beschäftigt, die sich auf das Einwickelpapier und die Verpackung beziehen: Hier ist noch Brachland, nichts ist bisher geschehen, hier gilt es noch, der Menschheit jene nutzlosen Mühen zu ersparen, unter denen sie stöhnt. Täglich werden Milliarden Wegwerfbewegungen gemacht, werden Energien verschwendet, die, könnte man sie nutzen, ausreichen würden, das Antlitz der Erde zu verändern. Wichtig wäre es, in Kaufhäusern zu Experimenten zugelassen zu werden; ob man auf die Verpackung verzichten oder gleich neben dem Packtisch einen geübten Wegwerfer postieren soll, der das eben Eingepackte wieder auspackt und das Einwickelpapier sofort für den Altpapierhändler zurechtbündelt? Das sind Probleme, die erwogen sein wollen. Es fiel mir jedenfalls auf, dass in vielen Geschäften die Kunden flehend darum bitten, den gekauften Gegenstand nicht einzupacken, dass sie aber gezwungen werden, ihn verpacken zu lassen. In den Nervenkliniken häufen sich die Fälle von Patienten, die beim Auspacken einer Flasche Parfüm, einer Dose Pralinen, beim Öffnen einer Zigarettenschachtel einen Anfall bekamen, und ich studiere jetzt eingehend den Fall eines jungen Mannes aus meiner Nachbarschaft, der […] seinen Beruf nicht ausüben konnte, weil es ihm unmöglich war, den geflochtenen Draht zu lösen, mit dem die Päckchen umwickelt waren, und der, selbst wenn ihm diese Kraftanstrengung gelänge, nicht die massive Schicht gummierten Papiers zu durchdringen vermöchte, mit der die Wellpappe zusammengeklebt ist. Der junge Mann macht einen verstörten Eindruck und ist dazu übergegangen, […] die Päckchen, ohne sie auszupacken, in sein Bücherregal zu stellen. Ich überlasse es der Fantasie des Lesers, sich auszumalen, welche Folgen für unser geistiges Leben dieser Fall haben könnte.
Wenn ich zwischen elf und eins durch die Stadt spaziere, nehme ich vielerlei Einzelheiten zur Kenntnis; unauffällig verweile ich in den Kaufhäusern, streiche um die Packtische herum; ich bleibe vor Tabakläden und Apotheken stehen, nehme kleine Statistiken auf; hin und wieder kaufe ich auch etwas, um die Prozedur der Sinnlosigkeit an mir selber vollziehen zu lassen und herauszufinden, wieviel Mühe es braucht, den Gegenstand, den man zu besitzen wünscht, wirklich in die Hand zu bekommen. […] Mein Gesicht wird immer nachdenklicher, während ich auf der Suche nach einem kleinen Café bin, wo ich die Zeit bis drei verbringe und die Abendzeitung lesen kann. Um drei betrete ich wieder durch den Hintereingang das Gebäude der Ubia, um die Nachmittagspost zu erledigen, die fast ausschließlich aus Drucksachen besteht. Es erfordert kaum eine Viertelstunde Arbeitszeit, die zehn oder zwölf Briefe herauszusuchen; ich brauche mir danach nicht einmal die Hände zu waschen, ich klopfe sie nur ab, bringe dem Pförtner die Briefe, verlasse das Haus […]

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### Material 2: Pragmatischer Text
**Clemens Gleich: Vom Müllberg in die (noch vorhandene) Landschaft geblickt (2018)**
*(Textgrundlage siehe Originaldatei, Seite 11)*

[…] „Papa, warum produzieren wir so viel Abfall?“, fragt der Bub, nachdem die Familie den Wochenendeinkauf weggeräumt hat, nicht aber den zugehörigen Verpackungsberg. „Die Konzerne sind schuld“, sagt Papa. Der Bub bringt die Öko-Tante ins Spiel, die an sich selbst zeigt, mit welch überschaubarem Aufwand man Verpackungsmüll vermeidet. „Ja“, sagt Papa dann, „die Christel halt. Aber wir können das nicht.“ Der Sohn widerspricht in Kenntnis der Haushaltsmöglichkeiten. Der Vater seufzt. „Weißt du“, sagt er dann, „wenn das alle machen, dann machen wir auch mit. Aber vorher nicht.“
Diese Diskussion hat wirklich stattgefunden. Obwohl sie vielleicht neu wirkt, war das in meiner Kindheit vor über 30 Jahren. Schon damals waren die wichtigen Fakten dazu bekannt: wie lange Plastik braucht bis zum Zerfall, wie viel Wasser und Energie Papierherstellung braucht, wo die Abwägungen zwischen Transport- und Lageraufwand liegen, dass die Strömungen des Pazifik Treibgut in Regionen konzentrieren. […]
Was haben wir in 30 Jahren getan? „Recycling“ war der große Begriff meiner Jugend. Das Duale System, der Gelbe Sack, sie weckten Hoffnungen auf eine Kreislaufwirtschaft mit Rohstoffen. 2018 lag der Recycling-Anteil bei Plastik hier immer noch bei 36 Prozent. Der Rest wird verfeuert. […] Und selbst eine 100-Prozent-Recycling-Tüte ist ein Problem, sobald sie in die Gewässer gelangt, was bis heute sehr wahrscheinlich bleibt.
[…] Plastik ist zäh. Wir müssen schlicht viel weniger davon produzieren. Wir können es auch nicht einfach ersetzen, denn die Alternativen kosten häufig schlicht mehr Ressourcen. Es muss anders gehen. Die Lösungen dazu sind auch nicht schwierig. Ein Stück toter Ochs muss nicht auf einem Styroporteller liegend in eine Hightech-Folie […] eingewickelt sein. […] Und damit habe ich schon das schwierigste Lebensmittel genannt. Gemüsebrocken müssen nicht in einen Karton, ein Tiefziehpressen-Formplastikteil und eine Folie gepackt werden, damit man sie kaufen kann. […]
An der Banalität der Lösungen erkennen wir, dass es nicht an Möglichkeiten mangelt, immer noch nicht, vielleicht noch nie. Es mangelt am Willen. Wieso soll ich Tüten mitbringen […]? Diese Bequemlichkeit formt unsere Great Garbage Patches überall. […]
Es gibt diese einfachen Weitermach-Lösungen nicht, die wir uns wünschen. […] Ich sehe nicht nur Stagnation bei alten Problemen, sondern wir generieren obendrauf immer neue aus derselben mir-doch-egal-nach-uns-die-Sintflut-Mentalität. […]
Wenn ich auf meine Geschichte mit dem Plastik schaue, sehe ich jedoch, wie die Zeit verrinnt, in der wir so viel Einfaches tun könnten. Das kann nur bedeuten, dass es uns einfach noch viel zu gut geht. Es ist wie bei der Erwärmung unseres Lebensraums, bis er uns unwirtlich wird. Wir werden uns erst dann wirklich bewegen, wenn es richtig schlimm geworden ist, weil wir müssen. Vorher nicht. […] Ich hoffe auf die Kinder. […]

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## ERWARTUNGSHORIZONT (Stichpunkte für Lehrkräfte)

### Zu Aufgabe 1 (Interpretation Böll):
*   **Inhalt:** Der Ich-Erzähler arbeitet als professioneller "Wegwerfer" bei einer Versicherung. Er sortiert Werbepost aus, bevor sie die Angestellten erreicht. Er plant, dies auf Verpackungen auszuweiten.
*   **Charakterisierung:**
    *   Wirkt pedantisch, organisiert, fast wissenschaftlich ("jahrelange Experimente", "Grundformel").
    *   Sieht sich als Wohltäter der Menschheit ("nutzlose Mühen ersparen").
    *   Wirkt emotionslos bei der Vernichtung, aber "traurig" über die Verschwendung (Paradox).
    *   Zeigt obsessive Züge (beobachtet Kaufhäuser, kauft Dinge nur zum Wegwerfen).
*   **Sprache/Form:**
    *   Nüchterner, technokratischer Stil ("Objekte meines aufmerksamen Forschens", "Vorgang der Vernichtung").
    *   Kontrast: Absurdität der Handlung vs. Ernsthaftigkeit der Beschreibung (Ironie/Satire).
    *   Hyperbeln (Übertreibungen): "Nervenkliniken", "Milliarden Wegwerfbewegungen".
*   **Deutung:**
    *   Satire auf die Bürokratisierung und das Wirtschaftswunder.
    *   Kritik an der Sinnentleerung von Arbeit (Arbeit um der Arbeit willen).
    *   Vorwegnahme der Konsumkritik: Der Konsum (Verpackung/Werbung) wird zum Selbstzweck und zur Belastung.

### Zu Aufgabe 2a (Vergleich mit Gleich):
*   **Gemeinsamkeiten:**
    *   Beide thematisieren die Absurdität von Verpackungsmüll.
    *   Bölls Vision (Kunden werden gezwungen, Verpackung zu nehmen) deckt sich mit Gleichs Beobachtung (Gemüse in Folie).
    *   Beide sehen eine psychische/gesellschaftliche Belastung ("Stöhnen der Menschheit" bei Böll vs. "mir-doch-egal-Mentalität" bei Gleich).
*   **Unterschiede:**
    *   **Lösung:** Bölls Protagonist will das System *effizienter* machen (professionelles Wegwerfen), bleibt aber im System gefangen. Gleich fordert einen *Systemwandel* (Verzicht, Willensänderung).
    *   **Tonfall:** Böll ist distanziert-satirisch; Gleich ist appellativ, emotional, resigniert ("Ich hoffe auf die Kinder").
*   **Beurteilung der Aktualität:**
    *   Bölls Text ist hochaktuell: Die Flut an "Drucksachen" (heute Spam/Werbung) und Verpackungsmüll hat zugenommen.
    *   Die "Wegwerferschulen" sind heute Realität in Form von Recycling-Management, was aber (wie Gleich kritisiert) das Grundproblem der Überproduktion nicht löst.

### Zu Aufgabe 2b (Essay):
*   **Mögliche Thesen:**
    *   Wir kaufen das Wegwerfen gleich mit (Verpackung als Produktbestandteil).
    *   "Aus den Augen, aus dem Sinn": Die Psychologie des Mülleimers (Verdrängung).
    *   Bequemlichkeit als größter Feind der Nachhaltigkeit (Bezug zu Gleich).
*   **Anforderung:**
    *   Essayistische Form (subjektiv, aber argumentativ, pointiert, rhetorisch anspruchsvoll).
    *   Rückbezug auf die Texte (Böll als Beispiel für die Absurdität, Gleich als Beispiel für die Realität).
